Fragen & Antworten

Durch das Robert-Koch-Institut werden fortwährend verschiedene Datenquellen analysiert. Auf diese Weise ist es möglich, die Lage in Deutschland möglichst genau einzuschätzen. Hierzu gehören beispielsweise die offiziellen Meldedaten, aber auch Informationen, die aus bereits bestehenden Surveillance-Systemen. Darüber hinaus werden Studien und Projekte im Rahmen der Corona-Pandemie herangezogen. Ebenso werden Angaben zu durchgeführten SARS-CoV-2 Labortests erfasst und auch die Anzahl der an Corona erkrankten Intensivpatienten berücksichtigt. Sämtliche erfassten Daten werden ausgewertet und täglich unter www.rki.de/covid-19-risikobewertung veröffentlicht.

Eine hohe Anzahl an Viren, welche eine akute Atemwegserkrankung auslösen können, werden insbesondere während der kalten Jahreszeiten verbreitet. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Temperaturen sinken.
  • Es gibt eine geringere UV-Strahlung.
  • Die Bevölkerung verbringt mehr Zeit im Gebäudeinneren.
  • Die Menschen halten weniger Abstand zu ihren Mitmenschen.
  • Es erfolgt eine geringere Lüftung der Räumlichkeiten, wodurch das Risiko einer Übertragung über sogenannte Aerosole steigt.

Bei der Reproduktionszahl, auch R-Wert genannt, handelt es sich um einen Wert, der angibt, wie viele Menschen im Schnitt durch einen einzigen infizierten Menschen angesteckt werden.

Zu Beginn einer jeden Pandemie gibt es den Startwert R0. Dieser Wert ist die sogenannte Basisreproduktionszahl und gibt an, wie hoch die Ansteckungsrate ist, wenn alle Menschen zunächst für das Virus empfänglich sind, also noch keinerlei Immunität besteht, noch kein Impfstoff existiert und auch noch keinerlei Maßnahmen zum Infektionsschutz getroffen wurden.

R0 wurde im Falle von SARS-CoV-2 auf einen Wert zwischen 3,3 und 3,8 festgelegt. Das bedeutet, dass im Schnitt jeder Infizierte 3,3 bis 3,8 weitere Menschen infizieren wird. Ohne jedwede Einleitung von Infektionsschutzmaßnahmen würde sich das Virus also sehr schnell exponentiell steigend verbreiten. Eine Verlangsamung beziehungsweise ein Stopp wird frühestens dann erreicht, wenn etwa 70 Prozent der Bevölkerung infiziert wurde und entweder gestorben ist oder eine Immunität entwickelt hat und damit das Virus selbst nicht mehr weiterverbreiten kann.

Verringert werden kann die Reproduktionszahl durch die Einleitung von Infektionsschutzmaßnahmen. Die wohl wichtigsten Schutzmaßnahmen sind in der AHA+L-Regel zusammengefasst:

  • Abstand halten
  • Hygiene beachten
  • Alltagsmasken tragen
  • lüften

Je nachdem, wie der R-Wert steht, steigt oder fällt die Zahl der täglichen Neuinfektionen oder aber sie bleibt konstant.

  • R > 1: steigend
  • R = 1: konstant
  • R < 1: sinkend

Deshalb ist stets das Ziel, den R-Wert bei unter 1 zu halten.

In den täglichen Situationsberichten gibt es immer zwei verschiedene R-Werte:

  1. 4-Tage-R-Wert
  2. 7-Tage-R-Wert

Während der 4-Tage-R-Wert recht sensitiv ist und recht empfindlich auf kurzfristige Änderungen der täglichen Fallzahlen reagiert, gibt der 7-Tage-R-Wert hingegen einen stabileren Wert wieder, da er den täglichen Schwankungen der Fallzahlen weniger unterliegt.

Im Kampf gegen die Pandemie ist das Testen einer der wichtigsten Bestandteile. Dadurch ist eine schnelle und vor allem exakte Erfassung der Anzahl sowie der Verbreitung Infizierter möglich, wodurch eine Basis für eine bestmögliche Unterbrechung der Infektionskette geschaffen wird und die Gesundheitssysteme vor einer Überlastung bewahrt werden sollen. Wie häufig SARS-CoV-2 Infektionen nachgewiesen werden können, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  1. Anzahl Infektionen
  2. Teststrategie
  3. Anzahl durchgeführter Test

Je nachdem, wie sich die Pandemie entwickelt, werden auch die Testkriterien entsprechend angepasst. Nähere Informationen hierzu liefert das Robert-Koch-Institut in einer Nationalen Teststrategie.

Es ist zwingend zu beachten, dass eine Ausweitung der Testkriterien, etwa auf Reiserückkehrer oder besondere Risikogruppen, sowie eine Erhöhung der Testanzahl, unweigerlich auch zu einer Erhöhung der Fallzahlen führen kann. Dies ist darin begründet, dass Infektionsfälle, die ansonsten unentdeckt geblieben wären, auf diese Weise erkannt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die dadurch steigenden Fallzahlen einzig mit der Erhöhung des Testaufkommens erklärt werden können. Denn durch das erhöhte Testaufkommen werden nicht nur positive, sondern ebenso auch negative Testergebnisse festgestellt, ebenso wie sogenannte falsch-positive Testergebnisse.

Sämtliche Fallzahlen, welche an das Robert-Koch-Institut übermittelt werden, und auch die 7 Tages Inzidenz werden tagesaktuell und nach Bundesland sowie nach Landkreisen gefiltert in einem Dashboard dargestellt. Darüber hinaus werden alle Fallzahlen auch im täglichen Situationsbericht des RKI festgehalten.

Die jeweiligen Fallzahlen werden täglich von den Gesundheitsämtern an die zuständigen Landesbehörden übermittelt. Diese leiten die Zahlen an das Robert-Koch-Institut weiter. Daher kann es mitunter zu einem gewissen Meldeverzug von einigen Tagen kommen.

Die aktuellen Fallzahlen der an COVID-19 erkrankten Personen sowie der Todesfälle derer, die an einer Erkrankung mit COVID-19 verstorben sind, werden in der Regel täglich an das Robert-Koch-Institut übermittelt. An Sonntagen und Montagen sind die Fallzahlen jedoch für gewöhnlich niedriger als an den anderen Tagen. Die Gründe dafür sind recht vielfältig. An den Wochenenden suchen in der Regel weniger Menschen einen Arzt auf. Dadurch werden entsprechend weniger Proben genommen und ausgewertet, wodurch auch weniger positive Nachweise ermittelt werden. Darüber hinaus melden nicht alle Gesundheitsämter am Wochenende ihre aktuellen Zahlen an die zuständigen Landesbehörden und nicht alle Landesbehörden diese an das Robert-Koch-Institut. Entsprechend dem Infektionsschutzgesetz werden die jeweiligen Daten jedoch spätestens am nächsten Arbeitstag übermittelt. In Anbetracht der aktuellen Lage übermitteln die meisten Behörden jedoch ihre Daten sowohl früher als auch häufiger als dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Die meisten Behörden übersenden ihre Daten zudem am Wochenende.

Schon der bloße Verdacht einer Infektion mit SARS-CoV-2 ist meldepflichtig. Selbstverständlich trifft diese Meldepflicht auch bei einer Erkrankung und dem Tod durch und mit COVID-19. Der direkte Nachweis eines Erregers erfolgt unter anderem mittels eines PCR-Tests. Durch die Meldepflicht ist es dem Gesundheitsamt möglich, alle erforderlichen Maßnahmen zum Infektionsschutz einzuleiten. Alle übermittelten Daten werden durch das Gesundheitsamt validiert und den zuständigen Landesbehörden übersendet, welche diese wiederum an das Robert-Koch-Institut weiterleiten.